Wurzeln von Scientology

 Wurzeln von Scientology

(unbekannter Autor)

Totalitäre Systeme sind einander meist ähnlich. Diktaturen wie der deutsche Nationalsozialismus beruhen im Kern auf denselben Prinzipien wie der religiöse Fanatismus der Inquisition oder der okkulte Faschismus der Scientology-Bewegung: auf Faszination, Bevormundung und Manipulation der Massen sowie auf Unterdrückung und Ausschaltung der Opposition durch eine alleinherrschende Elite.

 

Unterschiede gibt es freilich bei der Wahl der Motive, mit denen der totale Machtanspruch gerechtfertigt werden soll. Im Nationalsozialismus, dessen theosophische Wurzeln in der okkulten, germanozentrischen Mythologie der Arier lagen, sollten die Menschen durch ein diffuses Gemisch aus Brauchtum, Technik und Rassenwahn mobilisiert werden, um im Zuge eines imperialistischen Krieges Deutschland zur dominanten Nation zu machen: der von zeitgenössischen Philosophen, Wissenschaftlern und Künstlern immer wieder beschriebenen Nation der "Herrenrasse". Die Weltanschauung von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard hingegen umgeht völkische Motive dieser Art und erhebt stattdessen "geklärte Wesen" und "Operierende Thetanen", also scientologisch manipulierte Menschen, in den Stand einer überlegenen Spezies.

 

Hitlers antisemitischer Wahn wurde unverkennbar von geistaristokratischen, antibolschewistischen und völkisch-mythischen Strömungen im Deutschland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts geprägt und fand in der orientierungslosen Gesellschaft der Weimarer Republik den idealen Nährboden. Hubbard sammelte - ein Vierteljahrhundert danach, genauer: seit Anfang der 30er Jahre - psychologisches, okkultes und wissenschaftliches Halbwissen, das er zuerst in utopisch anmutenden Aufsätzen niederschrieb , dann in seinem Buch "Dianetics" und später in unzähligen Traktaten als Gründer und Führer der sogenannten Church of Scientology, einem vor allem aus rechtlichen Gründen enstandenen Apparat, der allenfalls als Religionsattrappe bezeichnet werden kann. Dieses konfuse Gemisch präsentierte er als Selbstverwirklichungstherapie den eingeschüchterten US-Bürgern der Mc-Carthy-Ära - zunächst mit Erfolg. Doch schon kurze Zeit nach dem Dianetics-Boom kam die Wende: Hubbard geriet ins Fadenkreuz arrivierter medizinischer Verbände, die er fortan als Geißel der Menschheit brandmarkte - vor denen er sich aber in das Gebäude einer "Kirche" zurückzog, um rechtlichen Konsequenzen zu entgehen.

 

Hubbards Ideologiegebäude unterscheidet sich von dem Hitlers nur oberflächlich. Auf den ersten Blick ist das schwer zu erkennen: Einerseits verschleiert die scientologische Propaganda in der Öffentlichkeit die Hintergründe der Bewegung, andererseits wird die überwiegende Mehrheit der Scientology-Anhänger darüber ebensowenig informiert. Die meisten Scientologen, wir schätzen: 95 Prozent, sind Mitläufer in einem menschenverachtenden, faschistischen System, das sie obendrein durch die Zahlung von Kursgebühren und Spenden finanzieren. Nur der innerste Kreis des Scientology-Managements kennt die von Hubbard vor 50 Jahren aufgestellten Pläne, mit denen er die Weltherrschaft anstreben wollte.

 

Überall dort, wo Scientology fußfassen konnte, hinterläßt die Bewegung in der Tat unübersehbare Spuren: geistig verwirrte, mitunter psychisch kranke Menschen, die Opfer eines brutalen Konditionierungssystems geworden sind und im Glauben an die charismatischen Worte des Führers Hubbard ihre seelischen Probleme als Folgen einer vermeintlich menschenverachtenden Psychiatrie interpretieren. Sie sind verblendet von einer Ideologie, die geradezu in direkter Beziehung zum Rassismus nationalsotialistischer Machart steht.

 

Diese dunkle Seite des Systems ist erst dann sichtbar, wenn die Wurzeln der Ideologie Hubbards im historischen Umfeld der Entstehung des Nationalsozialismus gesucht und die Methoden, mit denen die Bewegung ihre Anhänger an sich bindet, als jene Instrumente des Psychoterrors erkannt werden, die bereits Hitler und seine Schergen im SS-Staat eingesetzt hatten. Dann wird - trotz aller propagandistischer Tarnmaßnahmen - klar, daß Scientology eine perfide Weiterentwicklung des nationalsozialistischen Machtmodells darstellt.

Es gibt viele Versuche, die Weltanschauung L. Ron Hubbards und damit das Phänomen Scientology zu erklären. Einige davon, etwa die kritische Biografie Bare-Faced Messiah (1) oder die Insiderberichte A Piece of Blue Sky (2) sowie Scientology und (k)ein Ende (3), haben wichtige Mosaiksteinchen zusammengetragen. Was aber allen bisher erschienenen Abhandlungen über das Thema fehlt, ist ein Vergleich Hubbards mit seinem stillen Vorbild: Hitler.

 

Dabei liegen die Parallelen auf der Hand - sowohl in der Ideologie als auch bei Struktur und Organisation von Scientology und Nationalsozialismus: Beide Systeme wären ohne den sogenannten Führerkult nicht denkbar; in beiden spielt die vom englischen Philosophen Thomas Hobbes beschriebene Figur des Leviathan eine entscheidende Rolle. Durch die Gleichsetzung des "Mortal God", in dem Hobbes zunächst den Staat, den "Commonwealth", gemeint hat, mit einem politischen Führer wird dieser Figur das Recht zugeschrieben zu beurteilen, was für das Volk gut oder schlecht ist, welche Meinungen und Lehren geeignet sind, die Einheit des Volkes zu wahren und zu fördern.

 

Hitlerismus und Hubbardismus können daher als politische Religionen (4) bezeichnet werden, deren Inhalte sich von Gott als der Spitze des hierarchischen Systems lösen, so daß sich die Ekklesia verselbständigt und innerweltlich schließt. Die Innerweltlichkeit fußt auf der "Kenntnis der Welt als Inventar von Seinstatsachen [und auf dem] Wissen um ihre Wesens- und Kausalzusammenhänge." (5) Dieses Wissen wird einem "Führer" (Erlöser) zugeschrieben, der das Schicksal des Volkes lenken soll und von seinen Untergebenen als gottähnliche Instanz anerkannt sein will.

 

Um den absoluten Machtanspruch durchzusetzen, gelten demokratische Staatsformen als ungeeignet: Der Führerkult toleriert weder freie Wahlen noch Meinungsfreiheit. Für den Nationalsozialismus hat Otto Koellreutter dieses Prinzip in aller Deutlichkeit beschrieben: "Der Führerstaat trägt immer antiliberale Züge; und er kann auch niemals geprägt und gestaltet werden durch den Typus des liberalen Menschen, sondern nur durch den Typus von Männern, die sich ihrer inneren Verbundenheit mit Volk und Staat stets bewußt sind." (6)

 

So scheint es in Hubbards Gedankenwelt logisch, daß alle bisherigen Demokratien die Menschen nur unterdrückt hätten, alles christliche, aufklärende und parlamentarische Bemühen schon immer nur den Zweck gehabt hätte, die Menschheit in Krankheit, Krieg und Katastrophen zu treiben. Scientology (7), so gaukelte der Gründer der Bewegung seinen Anhängern vor, "gibt uns eine erste Chance zur Schaffung einer wahren Demokratie" (8): einer neuen Gesellschaft ohne Kriminalität, Gewaltkonflikte und Drogen, wie es in Propagandaschriften der Bewegung heißt. Diese Welt scientologischer Bauweise sei jedoch "[...] nur in einer Nation von Clears (9) möglich." (10) Cyril Vospers schreibt dazu in The Mind Benders: "Hubbard sagt, daß es zunächst der Wei-terbildung des Menschen mittels Scientology bedarf, bevor irgendein politisches System funktionieren kann." (11)

 

Freilich gab Hubbard seiner Vision keine Garantieerklärung: Denn bis zum Erreichen des scientologischen Wunderstaats habe die Menschheit einen weiten Weg vor sich, da die von ihm angestrebte Entwicklung durch zahlreiche Widersacher ("Suppressive Persons" (12)) behindert werde. All jenen, die sich der Ausbreitung seiner Ideologie in den Weg stellen, widmete Hubbard ausführliche Beschreibungen und stilisierte sie damit in den Augen der Anhänger zum Feindbild. Dabei befolgte er ein wesentliches Erfolgsrezept bei der Bildung von Massenbewegungen, wie es Eric Hoffer in The True Believer (13) definierte: "Massenbewegungen können auch ohne den Glauben an einen Gott florieren, niemals aber ohne den Glauben an einen Teufel." Scientologys Teufel ist die "unterdrückerische Person".

 

Zu den "Unterdrückern" zählen laut Hubbard rund 2,5 Prozent der Erdbevölkerung, die auf den Rest - selbst auf Mitglieder der Scientology-Bewegung - starken Einfluß ausüben würden. Sie müßten daher, so die kranke Logik des Gründers, mit allen vorhandenen Mitteln bekämpft werden.

 

Weitere 17,5 Prozent der Menschen seien darüber hinaus als Gefahrenpotential ("Potential Trouble Source" (14)) einzustufen. Die verbleibenden 80 Prozent wären Unwissende, aber Lernfähige ("Preclears" (15)), denen er als selbsternannter Erlöser das "Wissen vom Wissen" (16) vermitteln wollte, um damit sein proklamiertes Endziel zu verwirklichen: einen "befreiten Planeten" ("Clear Planet") (17).

 

Um dieses Ziel zu erreichen, wollte Hubbard nicht nur Tausende von unmündigen Anhängern mit einem Angebot pseudotherapeutischer Kurse und der "Church of Scientology" an seine Bewegung binden, sondern auch Schaltstellen in Wirtschaft und Politik besetzen, was ihm – respektive dem bereits vor dem Tod des Gründers im Jahre 1986 an die Spitze der Bewegung gelangten Ziehsohn David Miscavige – in einigen Ländern, vor allem in Südafrika, Lateinamerika und Osteuropa, in Ansätzen gelungen zu sein scheint.

 

Genau wie Hitler seinen Judenhaß mit einer angeblichen "jüdischen Weltverschwörung" (18) scheinbar begründete, die er aus den Protokollen der Weisen von Zion (19) und aus anderen Quellen herausgelesen haben wollte, wähnte sich auch Hubbard einer Verschwörung auf der Spur: Bei ihm waren Psychiater und Priester die Übeltäter. Deren prinzipielle Mission sei es, die Menschheit zu schlechten Taten anzustiften und zu versklaven. Hubbard, der bisweilen als "pathologischer Lügner" (20) eingestuft wurde, hämmerte seinem Gefolge ein, diese Verschwörung bekämpfen zu müssen und die Menschen durch die Vermittlung scientologischen "Wissens" auf die rechte Bahn zu bringen: auf die "Brücke zur totalen geistigen Freiheit" (21). Er versprach ihnen, als "Operierende Thetanen" (22) einen von den Rassefanatikern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts analog für die "Arier" postulierten, höheren Entwicklungsstand zu erreichen.

 

Die traditionellen Religionen und die mit ihnen verbundenen sakralen Institutionen waren nach Meinung Hubbards "Bewußtseinsimplantate" (23), die der kollektiven Seele der Menschheit (24) während ihrer Frühzeit eingesetzt worden seien, um zu verhindern, daß die Menschen ihren universalen Ursprung erkennen würden. Am Ende könnten alle "Preclears" Götter werden, die in Hubbards Kosmogenese "die Welt als Spiel erfanden, in das sie selbst hinabstiegen, um dann Opfer ihres eigenen Vergessens zu werden und somit in ihrem Spiel gefangen zu bleiben". (25)

 

Um seine Anhänger von diesen Hirngespinsten zu überzeugen, verformte der Scientology-Gründer schließlich das von den Nationalsozialisten propagierte Synonympaar "Jude: Untermensch". Ihm entspricht bei Hubbard die Assoziation "Psychiater (kosmische Tyrannen): Menschenfeinde" (26), deren Herleitung von ähnlichen Traumata und Einflüssen geprägt war wie Hitlers antijüdischer Wahn. Hubbard brandmarkte die Psychiatrie als irdischen Vollstrecker eines tyrannischen Wesens aus den Tiefen des Universums und stellte sie gleichzeitig als Grundübel der Menschheit dar. Unzählige anti-psychiatrische Hetzschriften der Scientology-Bewegung künden bis heute von dieser Manie. (27)

 

Hubbard erweiterte das völkische Prinzip des Rassismus deutscher Prägung um die kosmische Komponente: Er faßte den größenwahnsinnigen Plan, das gesamte Universum zu retten, indem er die vermeintlichen Ursachen aller weltlich-materiellen Probleme und Konflikte auf spiritueller Ebene bekämpfen und unwirksam machen wollte. Im Zuge dieser psychisch-seelischen "Säuberung" der Welt machte er die Anhänger seiner Bewegung zu göttlichen Kämpfern des Guten, zu unsterblichen Soldaten des Lichts.

 

Daß dieser Gedanke nicht neu war, muß Hubbard gewußt haben, als er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seine Vision zu Papier brachte. So war der Scientology-Gründer im Grunde ein Plagiator – selbst wenn er vorgab, sein Wissen entstamme "vielen Jahren exakter Forschung und gewissenhafter Überprüfung". (28) Hubbards Devise lautete aber: Besser gut kopiert, als schlecht erfunden. Etliche Theorien, die er als eigene Erkenntnisse auswies, stammen aus naturwissenschaftlichen, psychologischen und philosophischen Werken verschiedenster Epochen. (29) Er übernahm, was er für richtig hielt - ganz gleich, wessen Gedankengut er sich dadurch zueigen machte. Mal mußte Anastasius Nordenholz herhalten, mal Sigmund Freud (30), mal Alfred Korzybski. Selbst bei den ihm als Ausgeburt des Bösen geltenden Psychiatern hat er abgekupfert. (31) Aus dem gesammelten Halbwissen konstruierte er schließlich eine "geheiligte Wissenschaft" (32), in dessen Zentrum noch heute Hubbard selbst und der Anspruch auf die absolute Gültigkeit (33) seiner Lehre stehen.

 

Knapp zehn Jahre hatte Hubbard gebraucht, um die okkulten Ingredienzen seiner Ideologie zusammenzustellen - eine Mixtur mystischer Manipulationen, wie sie Robert Lifton als Kriterium in seiner Definition totalitärer Systeme aufstellte (34): Danach berufen sich Führer solcher Systeme oft "... auf die Geschichte, Gott oder eine übernatürliche Macht, die die Auserwählten dazu berufen hat, das mystische Gebot zu erfüllen". (35) Hubbards Gespinste von Thetanen und kosmischen Tyrannen erfüllen das Kriterium genauso wie Hitlers Bild der arischen Rasse und des deutschen Volkes, das auserwählt gewesen sei, die Welt ihrer wahren Bestimmung zuzuführen (36). Hitler versprach, das deutsche Volk in der Geschichte unsterblich zu verankern - Hubbard ging einen Schritt weiter: Er winkte seinen Anhängern mit der individuellen Unsterblichkeit.

 

Mystik und Geheimwissenschaft

Wohl aufgrund der Popularität futuristischer Sujets im Amerika der späten 40er Jahre präsentierte der als Science-fiction-Autor eher unbedeutende Hubbard seine Weltdeutungs- und Verschwörungstheorien mit Vorliebe als kosmische Enthüllungsstories. Nicht selten ließ er seiner Fantasie dabei freien Lauf: So habe "Xenu, ein Herrscher aus einer fremden Galaxie", als er vor 75 Millionen Jahren auf die Erde gekommen sei, unzählige böse Geister, die "Body Thetans", hinterlassen, die sich seither "an den Körper der Menschen anheften" (37). Auf dem Wege der Seelenwanderung durch Reinkarnation seien sie seit Äonen verantwortlich für unvernünftiges Verhalten, Kriege und viele Krankheiten.

In vielen "Erfahrungsberichten" hat Hubbard sein angebliches kosmisches Wissen zur Schau gestellt: In seinem Vortrag Role of Earth (38) sprach er von einer Invasionsflotte aus einem anderen Sonnensystem, die vor 8200 Jahren im Himalaya, "etwa 72 Meilen nordwestlich des Khyber-Passes" (39), ein Bataillon extraterrestrischer Soldaten abgesetzt hätte, das anschließend von einer rivalisierenden Armada Außerirdischer überfallen und besiegt worden sei. Seither werde die Erde als "Gefängnis" benutzt, aus dem die Menschen nur dann entkommen könnten, wenn sie "Operierende Thetanen" seien. Scientology sei deshalb die einzige Technik, mit der die Menschheit befreit werden könne - ein Anspruch, aus dem Hubbard im gleichen Atemzug sein Recht auf Welterlösung ableitete.

Scientology weist zahlreiche dieser utopischen Elemente (40) auf. Und das Management der Bewegung zitiert den Gründer oft mit den Worten: "Science-fiction [...] ist die dringende Bitte, daß jemand an der Zukunft arbeiten möge. Sie ist der Traum, der der Dämmerung vorausgeht, wenn der Erfinder oder Wissenschaftler erwacht und [...] sagt: ,Ich frage mich, ob ich diesen Traum in der Welt der realen Wissenschaften wohl wahr werden lassen kann?'" (41).

Doch die absurde Space Opera ist nur Fassade. Sie ist Bestandteil eines ausgeklügelten Systems pseudowissenschaftlicher Tarnargumente, mit deren Hilfe die Bewegung ihre Ziele und die Herkunft ihrer Ideologie verschleiern will. Die maßgeblichen Quellen Hubbards waren indes esoterische und ariosophische Werke aus dem 19. und frühen 20.Jahrhundert sowie die Schriften der hermetischen Wissenschaft, zu denen er zeitweilig Zugang hatte.

 

Gnostische Tendenzen

Hubbards Weltmodell erinnert bisweilen an das Corpus Hermeticum, das die Menschen als Marionetten in einem Krieg kosmischer Mächte darstellte. Schon vorchristliche Gnostiker, in deren Glaubenskonzept das Corpus als Fundament diente, gingen davon aus (42), daß es einen höheren Gott gebe, der aufgrund eines Denkfehlers im physischen Teil des Universums gefangen sei. Sie interpretierten die alttestamentarische Schöpfungsgeschichte als Schilderung der Taten des dämonischen Gottes der Juden Yaldobaoth, der die Seelen der Menschen in deren Körpern gefangenhalte. Um sie aus dieser Falle zu befreien, würde der höchste Gott einen Erlöser zur Erde senden, der die Menschen über ihre wahre Herkunft aufklären werde. Wer diese gnostische Offenbarung erkenne, dem winke ein ewiges Leben im Reich Gottes. (43)

Bereits in den frühen fünfziger Jahren hatte Hubbard die Menschen als "Figuren im Spiel des Lebens" (44) bezeichnet. Vermutlich entnahm er diesen Teil seines Weltbilds der Lehre des Valentinus (45), von der sich auch Aleister Crowley (46), der spätere Vorsteher des Geheimordens "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.) (47), und Helena Petrovna Blavatsky (48), die Vordenkerin der Ariosophie, inspirieren ließen. Dafür spricht etwa ein "geheimes Forschungsprojekt" (49), das Hubbard im Jahre 1976 ins Leben rief. Dessen Ziel war es, die Lehren gnostischer Gruppen zu ergründen. Schon zuvor hatte Hubbard die Mannschaft seines Schiffes (50) - gnostischer Auffassung folgend - in "Soldaten des Lichts" und "Soldaten der Dunkelheit" einteilen lassen.

Eine weitere Parallele zu frühgnostischen Lehren ist Hubbards Spaltung des Universums in zwei Bestandteile: das materielle und das geistige. Letztes bleibe dem Menschen verschlossen, es sei denn, er entwickelte sich durch das Studium scientologischen Wissens zum "Operierenden Thetan", der auch das geistige Universum betreten könne. Die Vermittlung dieses Wissens müsse aber durch einen "himmlischen Boten" erfolgen, wie Giovanni Filoramo den Glauben der Gnostiker beschrieben hat: "[The] divine reality cannot be known through the ordinary faculties of the mind. Illumination, revelation, the intervention of a celestial mediator is required." (51) In einigen Schriften stellt Hubbard sich selbst als dieser Vermittler dar.

Die strikte Geheimhaltung des Materials der höheren Scientology-Kurse ist ebenfalls ein Indiz für gnostische Einflüsse: So befinden sich die Anweisungen Hubbards zu dem zur Zeit höchsten Kurs "Operierender Thetan - Stufe VIII" an Bord des Schiffes "Freewinds", und zwar in einer verschlossenen Schatulle, die nur dann geöffnet werden kann, "wenn sie in eine Lichtschranke gehalten wird". (52) Dies entspricht Vorsichtsmaßnahmen, die auch von den Gnostikern angewandt wurden - freilich ohne modernes technisches Gerät: Sie schrieben ihre Texte in verschlüsselter Form, so daß nur Eingeweihte die Botschaft verstehen konnten. Dasselbe Prinzip wird - noch heute - im "Hermetic Order of the Golden Dawn" und seinen zwei übergeordneten Geheimgesellschaften praktiziert. Er gilt als "äußerer Orden", in dem die Mitglieder nur einen kleinen Teil des vermeintlich magischen Wissens erlernen können. Nur wer die ersten fünf Stufen der sprituellen Erleuchtung absolviert hat, kann in den "inneren Orden" ("Ordo Rosae Rubae et Aurae Crucis") aufgenommen werden und dort weiter aufsteigen. Im Kern der okkulten Gesellschaft schließlich weilen die "Wächter der hermetischen Schriften" und behüten das mysterienbehaftete Material, das dem Golden-Dawn-Gründer William Westcott, einem engen Bekannten von Blavatsky, vor mehr als 100 Jahren von einer geheimen deutschen Rosenkreuzer-Loge anvertraut worden sein soll: die "Cipher Manuscripts".

Hubbard, der für kurze Zeit den Rosenkreuzern angehörte (53) und über seine Verbindung zum O.T.O. auch Einblick in die Hierarchie des Golden Dawn gehabt haben muß, hat die einer Zwiebel gleichende Schalenstruktur (54) seiner Bewegung vermutlich aus eben diesen Vorbildern konstruiert.

So ist es nicht verwunderlich, daß die überwiegende Mehrheit der Scientology-Anhänger nur einen Bruchteil der wirklichen Ziele Hubbards kennt und sich mittels ausgefeilter Manipulationstechniken möglichst lang - und für die Kasse der Bewegung lukrativ - in den äußeren Orbits der scientologischen Zwiebel halten läßt. Die von Hubbard mitunter als "Voodoo-Puppen" (55) bezeichneten, faszinierten Adepten geben bereitwillig ihr letztes Hemd, um den Fortbestand von Scientology zu sichern - Kapital, das das Management der Bewegung für die Mission "Clear Planet" in den Reserven der "Sea Org" und anderswo hortet.

 

Schwarze Magie

Den Bezug zur Wirklichkeit hatte der Möchtegern-Messias aus Nebraska spätestens Mitte der vierziger Jahre verloren, als er sich einem Ableger des O.T.O. in den USA anschloß und sich mit Hingabe der Praxis "schwarzer Magie" widmete. Um diese Neigung deuten zu können, ist eine Diskussion der von Jon Atack in Hubbard and the Occult aufgestellten Thesen notwendig: Atack geht davon aus, daß Scientology eine Art verwissenschaftlichtes, systematisiertes Liber Al vel Legis (56) darstellt - sozusagen eine angewandte Magie nach Crowley. Als Beleg führt er unter anderem die dokumentierten Versuche Hubbards an, gemeinsam mit dem O.T.O.-Mitglied Jack Parsons (57) sexualmagische, homophile Rituale zu vollziehen. Diese von Atack ausführlich beschriebenen Praktiken (58) entsprechen dem in Crowleys Buch Magick in Theory and Practice geschilderten "geheimen Ritual des VIII. Grades", dessen Zweck es sei, eine Frau herbeizurufen, mit der dann - im Ritual des IX. Grades – ein Homunculus, ein halb göttliches, halb menschliches Wesen, gezeugt werden solle.

Crowleys Rituale, die er zum Beispiel in der Erzählung Moonchild veröffentlichte, haben ihre Wurzeln unter anderem in der altägyptischen Mythologie und den daraus entstandenen hermetischen Wissenschaften, die angeblich seit Jahrhunderten vom Rosenkreuz-Orden bewahrt werden, aus dem der "Golden Dawn" hervorgegangen sein soll. Crowley kannte geheime Schriften des "Golden Dawn" und hat sie als Grundlage seiner eigenen Praktiken eingesetzt. (59) Da auch Hubbard Mitglied der Rosenkreuzer war, erscheint eine enge Bande zwischen ihm und Crowley plausibel.

Indes: Während Crowley, der Hubbard in einem Brief an ein anderes Mitglied des O.T.O. einst als "Stümper" bezeichnet hatte (60), neben seinen selbstenthüllenden Büchern und den von breiten Gesellschaftsschichten als abstoßend empfundenen Sexualritualen kaum etwas zustandebrachte, gelang es Hubbard, wesentliche Elemente der hermetischen Lehren als Fundament für die Scientology-Ideologie zu übernehmen. So tauchen die höheren Grade der scientologischen "Brücke" in Marsilio Ficinos Übersetzung des Corpus Hermeticum auf. (61) Danach habe sich der Urmensch "mit der Natur vermählt, so daß die aus dieser Ehe stammende Menschheit zugleich an Gottes Licht und an der ursprünglichen Finsternis teilhat." (62) Die Erleuchtung ergebe sich aus der "Auffahrt zu Gott", die das Corpus wie folgt darstellte: Zuerst werde der materielle Körper aufgelöst, dann "entledigt sich die Seele der sieben Laster und nimmt die achte Eigenschaft an, in der sie in Gott wiedergeboren wird." (63)

Dieser Leiter der Erleuchtung entspricht nicht nur Hubbards Abstufung der OT-Grade, sondern auch seine Einteilung der Welt in acht "Dynamiken": In Hubbards Weltvorstellung dienen die ersten acht OT-Grade dazu, die persönlich hemmenden Faktoren aus dem Menschen zu entfernen. Die Stufen

IX bis XV sollen "Operierenden Thetanen" dann übermenschliche, ins Unendliche des geistigen Universums gerichtete Fähigkeiten verleihen.

Hubbard hat hier alte, überlieferte Ideen kopiert, verformt und in seine Ideologie integriert.

 

Völkische Esoterik

Um zu erkennen, welche Ansichten und Weltvorstellungen Hubbard von den europäischen Neognostikern wie Blavatsky und Crowley übernahm, ist ein Exkurs in die völkisch-okkulte Szene Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich-Ungarn nötig: Dort finden sich Motive wie "Licht und Dunkelheit" oder "Herren- und Untermenschen" etwa bei Jörg Lanz von Liebenfels, einem eifrigen Leser von Blavatskys Werken. Der von Wilfried Daim als "Mann, der Hitler die Ideen gab" (64), biografierte, exkommunizierte Zisterzienser-Mönch hatte mit seinem Buch Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götterelektron (65) die religiös-darwinistische Basis für die antisemitisch-völkische Szene im Wien der Jahrhundertwende geschaffen.

Liebenfels teilte die Menschheit in zwei Gruppen ein: die "Asinge", abgeleitet vom nordischen Geschlecht der Asen, und die "Tschandalen", abgeleitet von Candala, den Mischrassen im alten Indien (66). Wie bei Hubbard befanden sich auch bei ihm "bedeutende kosmische Prinzipien im Kampf miteinander, und es konnte nur Sieg oder Vernichtung geben" (67).

Am 25. Dezember 1900 hatte Liebenfels den "Ordo Novi Templi" (O.N.T.) (32) gegründet. Stark beeinflußt wurde er dabei von Blavatsky und dem "Golden Dawn", deren theosophische sowie okkulte Theorien und Praktiken in Liebenfels einen begierigen Schüler und Nachahmer gefunden hatten. Im O.N.T. strandeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche radikale Vertreter der sogenannten völkischen Opposition, unter ihnen viele spätere SS-Mitglieder. Auch Theodor Fritsch (33), in dessen Verlag (Leipzig/München) Alfred Rosenberg die Protokolle der Weisen von Zion veröffentlichte, gehörte dem O.N.T. an.

Fritsch war Mitbegründer des Germanenordens (1912 in Berlin gegründet), aus dem später die Thule-Gesellschaft (34) entstand. Zugleich war er Herausgeber der antisemitischen Hammer-Blätter für deutschen Sinn. Sie waren die "mit 11.000 Abonnenten weitestverbreitete deutschvölkische Zeitschrift" (35). Fritsch verfaßte außerdem das Handbuch der Judenfrage (Auflage bis 1944: rund 330.000 Exemplare). Im Vorwort dazu hieß es: "Die Judenfrage wird solange nicht erledigt sein, als das Judentum [...] aus dem deutschen Volkskörper ausgeschieden ist." (36) Das Buch spielte bei der rassistischen Indoktrination der deutschen Bevölkerung eine bedeutende Rolle, da es eine gesellschaftswissenschaftliche "Rechtfertigung" für den Holocaust liefern sollte.

Über den Generalstabschef der k.u.k. österreichisch-ungarischen Armee, Gotthard von Scheuma (37), der dem Wiener Kreis der kosmischen Philosophen angehörte, stand der O.N.T. schließlich in Verbindung mit dem Theosophen Franz Hartmann, der 1906 den Ordo Templi Orientis gegründet hatte, dem sich sechs Jahre später Aleister Crowley anschloß. Außerdem bestand über Scheuma Kontakt zu Alfred Schuler, der die kosmischen Philosophen ins Leben gerufen und Hitler zu dessen Wiener Zeit in seinem kleinbürgerlich-chauvinistischen Antisemitismus nachhaltig geprägt hatte.

Hitler, der in Wien verschiedene geheime Zirkel, ariosophische und okkulte Logen besuchte (38), saugte das in ihnen kultivierte mystische Geheimwissen auf und nahm es nach München mit, wo er 1918 im Dunstkreis der Thule-Gesellschaft wieder auftauchte. Etliche Mitglieder dieser Gesellschaft waren Anhänger eines kruden theosophischen Glaubens, der aus der ario-germanischen Religionskonstruktion Guido von Lists, der Glazial-Kosmogonie Hanns Hörbigers (39), den neognostischen Vorstellungen Blavatskys und dem anti-alttestamentarischen Urchristentum (Marcioniter) (40) bestand. Auch Liebenfels war Thule-Mitglied und brachte sein Gedankengut vor allem durch die Zeitschrift Ostara (41) darin ein.

In dem Blatt, das Hitler schon während seiner Wiener Zeit gelesen hatte (42), nannte Liebenfels die Feinde der Arier "Affenmenschen" – eine Bezeichnung, die Hubbard zur Stereotypisierung angeblich minderwertiger Menschen ebenfalls benutzte. Er vertrat die Auffassung, daß die "Arier von elektrischen Urwesen [abstammten], deren Leib aus einem elektrischen Fluidum [bestünde]." (43) Sie hätten durch "gezielte Zuchtauswahl" die Möglichkeit, den "Übermenschen" [vgl.: Hubbards "Operierender Thetan", d. Verf.] zu erzeugen, der die "dunklen Mächte" schließlich besiegen werde.

Dieses Motiv diente in der nationalsozialistischen Ideologie einerseits als "Rechtfertigung" inhumaner medizinischer Experimente und arischer Zuchtstätten wie dem "Lebensborn", andererseits als mystische "Begründung" für die "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" (44).

In der Thule-Gesellschaft gab es ferner eine esoterische Fraktion um Karl Haushofer, den späteren Leiter des "Volksbundes für das Deutschtum im Ausland" (VDA): die sogenannte Vril-Gesellschaft. (45) Deren Anhänger glaubten an eine "Herrenrasse der lichten Gottmenschen, die vor 500 Millionen Jahren aufgrund einer kosmischen Katastrophe im Sonnensystem Aldebaran" (46) auf der Suche nach neuem "Lebensraum" auf die Erde gekommen sei. Jene Gottmenschen stünden nach wie vor mit den Menschen auf der Erde in Kontakt. Und nach einem kommenden Weltkrieg, so glaubten die Vril-Mitglieder, würde dann das "tausendjährige goldene Zeitalter" (47) beginnen.

Offenbar hatten derlei obskure Szenarien die okkulten Kreise der frühen Nationalsozialisten besonders fasziniert: So soll Karl Haushofer, der mit dem verklärten Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß eng befreundet war, in den zwanziger Jahren Kontakt zu einer in Berlin lebenden Kolonie tibetanischer Mönche gehabt haben. Deren Mitglieder hätten die Legende eines "jahrtausendealten Kampfes zwischen zwei extraterrestrischen Völkern" (48) überliefert. Um dieser Geschichte nachzugehen, sei Haushofer mehrmals nach Tibet und Indien gereist und nach seiner Rückkehr

dem Glauben verfallen, es gebe ein "unterirdisches Reich im Himalaya als Ursprungsort der arischen Rasse" (49).Der Vril-Gedanke "scheint seinen Ursprung in Deutschland gehabt zu haben" (50), wurde aber erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts vom englischen Schriftsteller Edward Bulwer-Lytton (51) propagiert. Heute taucht er in post-nationalsozialistischen Gruppen wieder auf - vor allem in Lateinamerika, Frankreich und Deutschland. (52)

Dort wird er mit Legenden von außerirdischen Besuchern, UFOs, neuen kosmischen Energieformen oder - wie bei Hubbard - mit extraterrestrischen Psychiatern, Reinkarnationsglauben und Welterlösungsplänen vermengt.

Derlei Mythen verbreitete seit etwa 1870 auch Helena Petrovna Blavatsky: Sie behauptete, mysteriöse Botschaften außerirdischer Wesen erhalten zu haben, die "[...] gewissen geheimen Mahatmas [anvertraut wurden]". (53)

Blavatsky hatte jene Boten angeblich in Tibet kennengelernt und war überzeugt, es handelte sich um "spiritistische Adepten, die eines Tages die Welt erneuern würden". (54) Ihre Botschaften goß die gebürtige Russin in die Form einer Supra-Religion, die Theosophie, die Ende des 19. Jahrhunderts Tausende von Anhängern in Europa, Indien und den USA fand.

Auf Blavatsky geht auch die Popularisierung des Wortes "Arier" zurück: Es stammt ab vom altindischen Wort "aryas", was im Ur-Buddhismus (500 v. Chr. bis 0) soviel bedeutete wie "edel" oder "heilig". (55)

Die Theosophie wurde zur populären Gegenbewegung des ausklingenden 19. Jahrhunderts, von der sich zum einen romantische Schwärmer wie der Dichter Stefan George, zum anderen aber auch Skeptiker der fortschreitenden Industrialisierung wie Oswald Spengler inspirieren ließen, die in den traditionellen westlichen Kirchen nicht mehr die Erfüllung ihrer sprituellen Bedürfnisse fanden. Zwar hatte auch der schwedische Ingenieur Emanual Swedenborg in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts seine eigene neue Kirche gegründet und von "Verbindungen mit Engeln und Geistern" (56) gepredigt. Doch "der eigentliche spiritualistische Anstoß dieser Zeit" (57) ging von Blavatsky aus: "In ihrem Hauptwerk ,Isis Unveiled' lehrte [sie], wie man die zwischen Menschen und die Astralleiber gelegten Schleier lüften könne. Adepten denen es gelänge, den Schleier zu zerreißen, wären dann in der Lage, alles bisher Gewußte beziehungsweise alles noch zu Erfahrende zu kennen.

Neben seinem eigenen physischen Leib besaß jeder Mensch noch einen Astralleib, und dieser befähigte ihn, so er ein Adept war, mit dem ,Lebensgeist des Universums' in Verbindung zu treten. [...] Und konnte ein Jünger außerdem mit einer Geheimlehre das unsichtbare Universum erfassen, dann nahm die Idee des Karma[s] - des ewigen Kreislaufs von Geburt und Wiedergeburt - dem Tod seinen Stachel." (58)

Zunächst war die Theosophie nicht rassistisch. Sie entwickelte sich aber um die Jahrhundertwende in zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen: die esoterische, mutmaßlich pazifistisch eingestellte "Anthroposophie" Rudolf Steiners (59) und die exoterische, rassistisch-imperialistische "Ariosophie", die zunächst in Frankreich, dann aber vor allem in Österreich-Ungarn und Deutschland keimte. Hier entstanden zahlreiche "[...] Sekten mit ,völkischer', pangermanischer und antisemitischer

Tendenz. [Sie] bereicherten die religiöse Dimension des Nationalsozialismus und lieferten ihm eine Kosmologie und eine eigene Rechtfertigung für seine Rassenlehre." (60) Neben der rassenbiologischen "Begründung" des Antisemitismus führte die Mystifizierung der angeblichen "Herrenrasse" dazu, daß die Judenvernichtung von der deutschen Bevölkerung als glaubensgegeben hingenommen oder gar gefordert wurde.

Durch die Erhebung des Nationalsozialismus in den Stand einer Religion mit Hitler als Heilsbringer erhielt der Holocaust den Anstrich einer inquisitorischen Maßnahme, die folglich gottgehorchend und somit ein probates Mittel für den Erhalt der deutschen Nation sein mußte.

Im nationalsozialistischen Alltag nach der Machtergreifung war der okkulte Unterbau des Systems allerdings kaum noch sichtbar, da Hitler erkannt hatte, daß die Bevölkerung nicht mit sektiererischem Geheimwissen und magischen Formeln für den von ihm geplanten imperialistischen, antijüdischen Kreuzzug mobilisiert werden konnte. Statt dessen einte er die "Volksmassen" unter dem scheinbar bedeutungsvollen Symbol des Hakenkreuzes. Er vereinfachte damit den Hintergrund der Bewegung und faßte dessen Mystik plakativ zusammen. Das Hakenkreuz wurde zum alles überragenden Symbol seiner völkischen Ersatzreligion. Nur ariosophischen Schwärmern wie Himmler, Heß oder Haushofer blieb es - mit Einschränkungen - gestattet, ihren obskuren Fantasien nachzugehen.

Himmler etwa unterstand das "Amt für Ahnenerbe", eine parawissenschaftliche Gruppe "verkrachter Existenzen" (61), die 1938/39 eine Expedition nach Tibet unternahm und dort den Ursprung der arischen Rasse aufspüren wollte, die aber ebenso beteiligt war an den "rassebiologischen" Menschenversuchen in den Konzentrationslagern. (62)

Auch die "Wewelsburg", eine Kaderschmiede der SS, war ein Produkt Himmlers, der dort unter anderem die Führungselite für seinen geplanten Arierstaat "Burgund" ausbilden wollte. (63)

Wie absonderlich die okkulten Rituale der SS-Elite bisweilen ausfielen, zeigt eine damalige Empfehlung, SS-Mitglieder sollten "ihren Nachwuchs auf den Grabsteinen berühmter Deutscher [...] zeugen, auf daß die Kinder etwas von den Tugenden der toten Helden in sich aufnähmen. [...] Dieser Vorstellung wurde immerhin soviel Gewicht beigemessen, daß im offiziellen SS-Organ Listen von Grabsteinen veröffentlicht wurden, die als Kopulationsort in Frage kamen". (64)

Wenngleich viele dieser Darstellungen eher in den Bereich der Sagen und Mythen fallen, ist klar, daß die Thule-Gesellschaft und die in ihr gesammelten okkulten Strömungen bei der Entstehung des Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle spielten: Zum einen stammten aus ihren Reihen bekannte Nazis, etwa der spätere "Reichsminister für die besetzen Ostgebiete", Alfred Rosenberg, der Hitler-Sekretär und stellvertretende NSDAP-Vorsitzende (bis 1941), Rudolf Heß, und der rhetorische Mentor Hitlers, Dietrich Eckart. Zum anderen war die Gesellschaft maßgeblich an der Zerschlagung der Münchener Räterepublik durch nationalistisch-antikommunistische Freikorps beteiligt, aus denen sich später die nationalsozialistische "Schutzabteilung" (SA) bildete.

Sicher ist ebenso, daß die Nationalsozialisten etliche Inhalte des ideologischen Repertoires der Thule-Gesellschaft übernommen haben, darunter das Führerprinzip, das Hakenkreuz und die SS-Runen. Hitler selbst hat schließlich "[...] aus den völkischen Zaubertränken griffige Inhalte destilliert und die Symbole plakativ vereinfacht." (65)

Dieselben Inhalte und Symbole sind bis heute im Einsatz: einerseits bei zahlreichen völkisch-radikalen Gruppen in Deutschland, Österreich, den USA und Südamerika, andererseits als Doktrin, Embleme und Codices der Scientology-Bewegung. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach dem Zweiten Weltkrieg transferierten Thule-Mitglieder ihr "Geheimwissen" nach Südamerika und in die USA, wo es letztlich auch bei Hubbard landete. (66)

Der bis dahin gebeutelte Schriftsteller wollte nun selbst das goldene Zeitalter einläuten - und nebenbei seine Finanzen aufbessern. Er hatte bereits magisches und mystisches "Geheimwissen" kennengelernt, das Aleister Crowley aus dem "Golden Dawn" (dt. etwa: "goldene

Morgendämmerung") übernahm und später veröffentlichte, und machte sich gegen Ende der vierziger Jahre daran, den Traum eines Weltimperiums zu verwirklichen.

Schließlich verband Hubbard mit seinem Wahn vom Sendungsbewusstsein luziferischer Art (67) den Anspruch, die Welt vom angeblichen Joch der Sklaverei kosmischer Tyrannen zu befreien. Dabei sollte seine Gefolgschaft gemeinsam mit ihm, dem Lichtbringer, am Ende den Jüngsten Tag begehen. (68) So ernannte sich Hubbard selbst zum prophetischen Guru eines Endzeitkults. Zwar offenbarte er im gleichen Atemzug seinen Anhängern, daß er "nicht als religiöser Führer, sondern als politischer" (69) auf die Erde zurückkehren werde. Die endzeitliche Sichtweise rückt Hubbard aber umso mehr in die Nähe Hitlers, der die apokalyptische Vision vom "Sieg oder Untergang des deutschen Volkes" (70) ebenfalls bis zu seinem Tod beibehielt.

 

Magische Symbole

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Gebrauch von Hakenkreuz und Sig-Runen sowie der Glaube an die "göttliche Bestimmung der Deutschen" nicht mehr opportun: Die den Völkermord versinnbildlichenden nationalsozialistischen Symbole wurden allenfalls sporadisch in Kreisen abgetauchter Altnazis in Frankreich, Südamerika, Kanada oder den USA benutzt. Doch die Fraktion der überlebenden SS- und Thule-Mitglieder erinnerte sich an etliche weitere mystische und kabbalistische Symbole, die der völkisch-okkulte Orden Anfang der zwanziger Jahre in München gesammelt hatte. Das Hakenkreuz blieb in der geschichtlichen Schublade, doch die Ideen, für die es stand, verbergen sich heute hinter anderen Zeichen, die zahlreichen neu-rechten, post-nationalsozialistischen Gruppen und politischen Sekten als Erkennungsmerkmale dienen. (107)

Hubbard, dessen ideologische Wurzeln in demselben Boden wuchsen wie die der esoterischen Nationalsozialisten, griff bei der Auswahl der Insignien für etliche Unterorganisationen seines Apparats ebenfalls auf Bekanntes aus der mystisch-völkischen Szene zurück, weil er sich der vermeintlich "magischen Anziehungskraft" der Symbole bewußt war: So ist das scientologische Kreuz nahezu identisch mit dem von Crowley verwendeten, und das Scientology-Logo (zwei charakteristisch überlagerte gleichschenklige Dreiecke, die von dem Buchstaben S durchzogen werden) ist vermutlich in Anlehnung an ein schwarzmagisches Symbol gestaltet worden, das eine S-förmige Schlange mit zwei solchen Dreiecken zeigt. Analog zu einem auf dem Kopf stehenden christlichen Kreuz symbolisieren die beiden Dreicke einen demontierten Davidsstern und sollen die Teufelsanbetung versinnbildlichen. (108) Das Theta-Symbol von Scientology wurde vom Ordo Templi Orientis für die Darstellung des Wortes "Thelema" benutzt, das in Crowleys Schriften den Begriff "Willen" ersetzt.

Auch die von den Nationalsozialisten verwendete Sig-Rune taucht bei Scientology auf: etwa im Logo der "Scientology International Management Association", einem roten Quadrat, in dessen Mitte ein weißer Kreis steht, der von vier Sig-Runen begrenzt wird. In dem Kreis befindet sich das Scientology-Logo. Außerdem werden im Signet des "Religious Technology Centers", der 1981 inkorporierten Organisationszentrale mit Sitz in Los Angeles, Sig-Runen als Gestaltungselemente verwendet.

 

 

Fußnoten:

 

1)Russell Miller, Bare-faced Messiah, London 1987, (im folgenden: Miller, Messiah)

2)Jon Atack, A Piece of Blue Sky, New York 1990, (im folgenden: Atack, Blue Sky).

3)Tom Voltz, Scientology und (k)ein Ende, Düsseldorf 1995, (im folgenden: Voltz, Ende).

4)vgl.: Eric Voegelin, Die politischen Religionen, München 1993 (im folgenden: Voegelin, Religionen)

5)ibd., S. 49.

6)vgl.: Otto Koellreutter, Der Deutsche Führerstaat, Tübingen 1934, S. 15.

7)Das vermutlich erstveröffentlichte Manuskript ist: L. Ron Hubbard, Scientology, Issue I, o.O. 1952.

8)Zit. in: Arbeitsgruppe Scientology der Hansestadt Hamburg (Hg.), Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft, Hamburg 1995, Paragraph 3b, S. 8, (im folgenden: AGS, Mitteilung).

9)Im scientologischen Jargon wird ein Mensch als "Clear" bereichnet, wenn er alle negativen Erfahrungen (sogenannte Engramme) aus seinem Unterbewußtsein entfernt hat. Dies könne, so Hubbard, nur durch "Auditing", eine Art hypnotischer Beichte, geschehen.

10)vgl.: Voltz, Ende, S. 151

11)Cyril Vosper, The Mind Benders, St. Albans 1973, S.  45, (im folgenden: Vosper, Mind Benders).

12)vgl. L. Ron Hubbard, Ethics, in: HCO Policy Letter, East Grinstead, 23. Dezember 1965 (im folgenden: HCO PL 231265). Hier definiert Hubbard die "Suppressive Person" als eine Person oder Gruppe, die "... aktiv versucht, Scientology oder Scientologen zu unterdrücken oder ihnen Schaden zuzufügen." [Übers. d. Verf.].

13)Eric Hoffer, The True Believer, London 1952, (im folgenden: Hoffer, Believer).

14)Als "Potential Trouble Source" (dt.: mögliche Gefahrenquelle) stufte Hubbard jene Menschen ein, die mit "Suppressive Persons" in Kontakt stehen.

15)In der Ideologie Hubbards werden Menschen, die nicht den Status "Clear" besitzen, als "Preclear" eingestuft. An anderer Stelle nannte Hubbard diese Gruppe auch "raw meat" (dt.: rohes Fleisch).

16)Hubbard propagierte Scientology als Wissenschaft, die dem Menschen angeblich vermitteln soll, wie er zu wissen habe. Er folgte damit dem Ansatz des deutsch-argentinischen "Rassenforschers" Anastasius Nordenholz, der bereits 1934 in seinem Buch Scientologie die Grundlagen wissenschaftlicher Forschung auf ein Fundament esoterischer,

parawissenschaftlicher Axiome stellen wollte.

17)Das Ziel der Scientology-Bewegung ist die angebliche "Erlösung" der Menschheit. In zahlreichen Werbeschriften und Traktaten Hubbards wird dieser globale Machtanspruch mit dem Slogan "Clear Planet" umschrieben. Etappenziele der Bewegung sind etwa "Clear Germany" oder "Clear Russia". Besonders deutlich wird die Zielsetzung Hubbards in einer Erklärung der ehemaligen Scientology-Funktionärin Stacy Young beschrieben: "In der Tat wollte Hubbard eine neue Kategorie Menschen schaffen, die alle Stufen der scientologischen Leiter erklommen haben: Sie sollten den Entwicklungsstand des Homo sapiens verlassen und dadurch zum Homo novis werden. Scientologen glauben, daß sie bei Erreichen dieses Zustands in der Lage sind, durch Galaxien zu reisen, um dort andere Wesen zu befreien, die ebenfalls im physischen Universum gefangen sind." Vgl.: Stacy Young, Eidesstattliche Erklärung, o.O., Oktober 1994, (im folgenden: EV Stacy Young).

18)vgl.: Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1925, S. 702 f.: "Das Finanzjudentum wünscht [...] nicht nur die restlose wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands, sondern auch die vollkommene politische Versklavung." (im folgenden: Hitler, Kampf).

19)Das Buch wurde 1917 Alfred Rosenberg zugespielt. Im August 1921 stellte sich heraus, daß es eine Fälschung der zaristischen Geheimpolizei war: im Auftrag der französischen Rechten, die damit Dreyfus mit einer angeblichen Verschwörung seiner Rasse in Verbindung bringen wollte. Die Protokolle sollten ferner die Judenpogrome Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland rechtfertigen. Rosenberg war von der Echtheit dennoch überzeugt und verlegte das Pamphlet erneut. Bis 1933 wurden in Deutschland mehr als 30 Auflagen gedruckt. Vgl.: George L. Mosse, Die Geschichte des Rassismus in Europa, überarbeitete Taschenbuchausgabe, Frankfurt/M. 1990, S. 132, (im folgenden: Mosse, Rassismus).

20)Richter Breckenridge am Obersten Gerichtshof von Kalifornien stellte zur Person Hubbards in einer Urteilsbegründung im Jahre 1984 fest: "The evidence portrays a man who has been virtually a pathological liar when it comes to his history, background and achievements. The writings and documents in evid-ence additionally reflect his egoism, greed, avarice, lust for power, and vindictiveness and aggressiveness against persons perceived by him to be disloyal or hostile."

21)Die "Brücke zur totalen Freiheit" ist ein Synonym für das von Hubbard entwickelte Kurssystem von Scientology. Zahlreichen Recherchen zufolge ist für die Belegung aller dort beschriebenen Kurse ein Geldeinsatz in Höhe von mehr als 300.000 US-Dollar erforderlich. Zur Zeit führt die "Brücke" bis zum "Operierenden Thetan – Stufe 15"; allerdings ist bis heute erste Stufe 8 "freigegeben" worden. Vgl.: Roy Wallis, The Road to Total Freedom. A Sociological Analysis of Scientology, New York 1977, (im folgenden: Wallis, Road).

22)Ein "Operierender Thetan" ist in Hubbards Ideologie ein Mensch, der die Grenzen des materiellen Universums willentlich überschreiten könne, dadurch daß seine Seele (der "Thetan") den Körper verlasse und das "geistige Universum" betrete. Bei der Konstruktion dieser Vorstellung hat Hubbard wesentliche Elemente der sogenannten Paraphysik übernommen, die davon ausgeht, daß Seelenwesen in einer vierten räumlichen Dimension existieren könnten, die nur von besonders befähigten Menschen wahrgenommen werde. Das herkömmliche quantenmechanische Weltbild kommt allerdings ohne derlei Erklärungen aus. Vierdimensionale Weltmodelle zählen zu den "paradoxen Theorien" (vgl.: Gerhard Vollmer, Biophilosophie, Stuttgart 1995, S. 117) und können empirisch nicht nachgewiesen werden.

23)vgl: L. Ron Hubbard, Professional Auditor's Bulletin 31, in: PABs, Book 2 (Nos. 25-49, April 1954 - April 1955), Kopenhagen 1973, (im folgenden: Hubbard, PAB 31): "Religion does much to keep the assumption in restimulation, being basically a control mechanism used by those who have sent the pre-clear into the body. You will find the cross as a symbol all over the universe, and the Christ legend as implant in preclears a million years ago."

24)vgl.: Joel Sappell und Robert Welkos, The Religion Abounds in Galactic Tales, in: Los Angeles Times, Los Angeles 1990: "Hubbard maintained [...] that the concept of a Christian Heaven is the product of two implants dating back more than 43 trillion years. Heaven, he said, is a ,false dream' and a ,very painful lie' intended to direct thetans toward a non-existent goal and convince them they have only one life. In reality, Hubbard said, there is no heaven and there was no Christ. ,The implanted symbol of a crucified Christ is very apt indeed. It's the symbol of a thetan betrayed.'"

25)vgl.: Colin Wilson, Das Okkulte, 1. Aufl., Wiesbaden 1988, S. 136, (im folgenden: Wilson, Okkult).

26)In einer Richtlinie vom 5. Oktober 1971 schrieb Hubbard: "... der Psychiater [hat] in einem Jahrhundert für alle Zeiten den Rekord an Unmenschlichkeit unter der Menschheit aufgestellt." (im folgenden: HCO PL 051071). Vgl. auch: Voltz, Ende, S. 86: In dem Aufsatz False Purpose Rundown (5. Juni 1984) schrieb Hubbard, daß es "eine Gruppe von Wesen [gab], die weit in der Vergangenheit existierte". Diese Gruppe, nach Ansicht von Hubbard "Psychiater und Priester", sei etwa dafür verantwortlich, die Menschheit zu "schlechten Taten" zu veranlassen. Das neue Management der Scientology-Bewegung änderte am 11. Januar 1990 den Wortlaut des Aufsatzes und entfernte das Wort "Priester". Die Intention des Traktats blieb aber erhalten: die Begründung des Feindbilds.

27)Eine Übersicht scientologischer Aktivitäten gegen die Psychiatrie liefert der Beitrag von: Prof. Lyndon J. West, Psychiatry and Scientology, in: The Southern California Psychiatrist, Juli 1990, S. 13 ff.

28)vgl.: Hubbard, Dianetics (1975), S. IX.

29)Hubbards Quellen sind anschaulich dargestellt in: Jeff Jacobson, The Hubbard is Bare, o.O. 1992, (im folgenden: Jacobson, Bare). Jacobson sieht unter anderem Thomas Hobbes als eines von Hubbards Vorbildern. Der englische Philosoph hatte in seinem Buch Leviathan den Menschen als Wesen dargestellt, dessen Leben durch sogenannte Dynamiken geregelt wird – eine Anschauung, die im scientologischen Menschheitsbild zentrale Bedeutung hat.

30)Neben den psychoanalytischen Erkenntnissen des österreichischen Psychologen, die Hubbard zum Teil in Dianetik integrierte, sind Freuds Ansichten zum Thema "Magie" in diesem Kontext relevant. In seinem Buch Totem und Tabu, Frankfurt/M. 1981, schrieb er: "Die Motive, welche zur Ausübung der Magie drängen, sind leicht zu erkennen, es sind die Wünsche des Menschen." (S. 89) Sind diese Wünsche ungebremst, würden sie als reale Macht angenommen, aus denen am Ende eine "Allmacht der Gedanken" entstehe. Hubbards Konzept des "Operierenden Thetans" bemächtigt sich dieser magischen Wunschvorstellungen in entscheidendem Maß.

31)vgl.: Jacobson, Bare.

32)vgl.: Robert Lifton, Thought Reform and the Psychology of Totalism,

New York, 1961, (im folgenden: Lifton, Totalism): Nach Lifton vertreten totalitäre Organisationen stets ein "schlüssiges Konzept, an dem nicht gezweifelt werden darf". Oft werden totalitäre Weltordnungen mit "wissenschaftlichen Durchbrüchen" gerechtfertigt. Das Ergebnis ist die "geheiligte Wissenschaft": bei Hitler kam der "Rassenbiologie" dieser Status zu; bei Hubbard sind es seine eigenen Schriften, die "Wissenschaft vom Wissen".

33)Hubbards Schriften gelten als "Gesetze der kommenden Weltordnung" und dürfen daher nicht verändert werden. Nach dem Tod des Gründers sollen sie mit gigantischem Finanzaufwand in einem atombombensicheren Bunker untergebracht worden sein. Anhänger der Bewegung, die Kritik an Hubbards "Gesetzen" üben, werden als "Potential Trouble Source" geoutet. Sie werden dadurch innerhalb der scientologischen Gemeinschaft kriminalisiert und müssen zum Teil schwere Strafen hinnehmen.

34)vgl.: Lifton, Totalism.

35)ibd.

36)Diese Bestimmung ist ausführlich beschrieben in: Ernest Klee, Das arische Manifest, München, 1932

37  Diese Geschichte entwickelte Hubbard zwischen 1966 und 1968. Sie ist Bestandteil des Kurses "Operating Thetan III" (OT III), der von Hubbard auch als "Wall of Fire" (dt.: Feuerwand) bezeichnet wurde. Eine Analyse liefern: Jeff Jacobson, The Hubbard is Bare, o.O. 1992, (im folgenden: Jacobson, Bare) und Peter Forde, Scientific Scrutiny of OT III, Cheshire 1995. Forde hat die Angaben Hubbards, die sich auf die erdgeschichtliche Entwicklung beziehen, paläogeologisch untersucht und konnte nachweisen, daß fast alle wissenschaftlich unhaltbar sind. Vgl. ferner: Haack, Magie, S. 137 ff.

38  vgl. Hubbard, Earth.

39  vgl. ibd.

4ß  vgl.: Linus Hauser, Scientology und Science Fiction, in: Friederike Valentin/Horand Knaup, Scientology - der Griff nach Macht und Geld, 2, Aufl., Freiburg i.B. 1992, S. 59 ff. (im folgenden: Hauser, SF).

41  vgl.: Church of Scientology International (Hg.), L. Ron Hubbard – der Autor und sein Werk, o.O. 1990, S. 36.

41  vgl.: Pheme Perkins, Gnosticism and the New Testament, Minneapolis 1993.

42  Eine umfassende Darstellung gnostischer Glaubensmodelle und eine Auswahl ihnen zugrundeliegender Schriften liefert: Werner Hörmann (Hg.), Gnosis, Augsburg 1995.

43  vgl.: Atack, Blue Sky, S. 376.

44  Valentinus zählt zu den Gnostikern. Er lebte im 2. Jahrhundert n. Chr. Vgl.: Jacobson, Bare, der Valentinus wie folgt zitiert: "For many spirits dwell in it [the body] and do not permit it to be pure; each of it brings to fruition its own works, and they treat it abusively by means of unseemly desires."

45  Edward Alexander ("Aleister") Crowley (*1875, ²1947) trat 1898 in den magischen Geheimorden "Hermetic Order of the Golden Dawn" ein. Meinungsverschiedenheiten führten zu seinem Ausschluß, und 1907 gründete er seinen eigenen Orden "Argentum Astrum" [dt.: Silberner Stern]. 1912 wurde Crowley von Theodor Reuß, dem damaligen Oberhaupt des "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.), zum Leiter dessen britischer Dépendance. Später übernahm Crowley die Gesamtleitung des O.T.O. Sein "Liber al vel Legis" (dt.: Buch der Gesetze) wurde zur Grundlage des Ordens. 1929 kam Crowley nach Berlin und wollte sein "Wissen" in den Reihen der esoterischen Nationalsozialisten verbreiten. Vgl.: Guido und Michael Grandt, Schwarzbuch Satanismus, Augsburg 1995, S. 56 ff. (im folgenden: Grandt,

Satanismus); und: Atack, Occult.

46  Der "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.) wurde 1906 von Franz Hartmann und Karl Kellner gegründet. Wenig später stieß Theodor Reuß hinzu. Durch ihn wurde der  O.T.O. "zum Sammelbecken aller möglicher Traditionen" (Haack, Magie, S. 36). Seine Mitglieder waren vor allem Schriftsteller, Buchhändler und Okkultisten; zu den bekannteren O.T.O.-Jüngern zählten Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie [hier liegt ein Irrtum vor, Steiner war nie Mitglied im O.T.O.; siehe <http://www.cyberlink.ch/~koenig/steiner.htm>], und L. Ron Hubbard, der 1945 an Sitzungen des US-Ablegers teilnahm. Einige Nationalsozialisten, etwa Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler, freundeten sich ebenfalls mit dem okkulten Gedankengut an, doch 1935 wurde der O.T.O. von den Nationalsozialisten verboten. Vgl.: Gerald Eberlein, Kleines Lexikon der Parawissenschaften, München 1995, S. 50 (im folgenden: Eberlein, Parawissenschaften); Haack, Magie, S. 36 ff.; Grandt, Satanismus, S. 56 ff. Hubbards Verwicklung in den O.T.O. und dessen Rituale sind ausführlich beschrieben in: Atack, Blue Sky, und Atack, Occult.

47  Helena Petrovna Blavatsky gründete 1875 in New York die Theosophical Society, ein Jahr später in London die British Theosophical Society. Ihre Anschauung legte sie in Isis Unveiled, London 1877, dar. Ein zentrales Element der Theosophie ist der Glaube an die Reinkarnation. Teile des Gedankenguts von Blavatsky wurden in rassistischen Ideologien verwendet. Vgl.: Mosse, Rassismus, S. 119.

48  vgl.: Atack, Occult.

49  In den sechziger Jahren, als der öffentliche Druck gegen Scientology in den USA spürbar größer wurde, zog es Hubbard vor, sich in internationale Gewässer zurückzuziehen. Vgl.: Atack, Blue Sky.

50  vgl.: Giovanni Filoramo, Gnosticism, Cambridge/MA 1990, S. 40.

51  vgl.: Jacobson, Bare.

52  vgl.: Atack, Occult.

53  vgl.: Miller, Messiah.

54  vgl.: L. Ron Hubbard: Role of Earth, Vortrag (Tonbandaufzeichnung) , Edinburgh: In diesem Vortrag beschrieb Hubbard die Rolle der Erde in dem von ihm fantasierten Szenario eines kosmischen Konflikts verfeindeter außerirdischer Wesen. Danach seien die Menschen auf der Erde "bodies in pawn (dt. etwa: Voodoo-Puppen) of the 4th Invader Force" und hätten als "Preclears" keine Chance, diesem Schicksal zu entrinnen. (im folgenden: Hubbard, Earth).

55  Das Liber Al vel Legis (dt.: Buch des Gesetzes) gilt als Fundament der Lehre Aleister Crowleys.

57  Jack Parsons war damals Ingenieur am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena/USA. Er leitete die Agape-Loge, eine Niederlassung des O.T.O. in den USA. Vgl. Atack, Blue Sky

58  vgl.: Atack, Blue Sky, S. 94 ff.

59  vgl.: Wilson, Okkult, S. 521

60  vgl.: Atack, Occult.

61  vgl.: Roland Edighoffer, Die Rosenkreuzer, München 1995, S. 81 f. (im folgenden: Edighoffer, Rosenkreuzer).

62  ibd.

63  ibd.

64  Wilfried Daim, Der Mann, der Hitler die Ideen gab, Wien 1985.

65  Jörg Lanz von Liebenfels, Theozoologie oder die Kunde von den Sodomsäfflingen und dem Götter-elektron, Wien/Leipzig/Budapest 1906, (im folgenden: Liebenfels, Theozoologie).

66  vgl.: Friedrich Paul Heller/Anton Maegerle, Thule - vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen Rechten, Stuttgart 1995, S. 22 f., (im folgenden: Heller/Maegerle, Thule).

67  vgl.: Mosse, Rassismus, S. 123.

68  Liebenfels sah den O.N.T. als Wiederbelebung des Templerordens aus dem 12. Jahrhundert. Dieses mittelalterliche Vorbild war ein "Kreuzritterorden mit selbständigem Staatswesen, Militär, Polizei und Gerichten" (Heller/Maegerle, Thule, S. 23), der von Papst Clemens V. auf Drängen des französischen Königs im Jahre 1312 aufgelöst wurde.

69  Fritsch gilt als der "wichtigste Antisemit vor Hitler". Vgl.: Robert Waite, The Psychopathic God Adolf Hitler, New York 1977, S. 98 (im folgenden: Waite, Psychopathic God).

70  Die Thule-Gesellschaft enstand 1918 als Splittergruppe des Germanenordens, in dem sich seit 1912 die Befürworter einer radikal-völkischen Politik zusammengefunden hatten. Sie wurde auf Betreiben des Germanenordenmitglieds Rudolf von Sebottendorf von den Studenten Walter Nauhaus und Walter Deicke in München gegründet, womöglich um die Münchener Räteregierung zu täuschen, die den Germanenorden observiert hatte. Die Mitglieder der Thule-Gesellschaft erhielten eine Anstecknadel, auf der ein von zwei Speeren durchkreuztes Hakenkreuz zu sehen war. Im Juni 1919 wurde die Gesellschaft ins Münchener Vereinsregister eingetragen. Zur gleichen Zeit kaufte Sebottendorf die Zeitung Münchener Beobachter, die später in Völkischer Beobachter umbenannt und zum Kampfblatt der NSDAP wurde. Bereits im Oktober 1918 hatte das Thule-Mitglied Karl Harrer einen "Deutschen Arbeiterverein" gegründet, der am 5. Januar 1919 zur Deutschen Arbeiterpartei (DAP) und schließlich zur NSDAP mutierte. DAP-Mitglieder wurden vor allem aus der Thule-Gesellschaft rekrutiert, darunter Ernst Röhm, Alfred Rosenberg, Dietrich Eckart, Rudolf Heß und Adolf Hitler, der bei einigen Treffen der Gesellschaft dabei war. Im Sommer 1919 verließ Sebottendorf Deutschland, und die Thule-Gesellschaft schlief vorübergehend ein. Nach dem gescheiterten Putsch vom 9. November 1923 und dem anschließenden Verbot der NSDAP erlebte sie einen zweiten Frühling, wurde aber im Juli 1930 durch Verfügung des Reichsregistergerichts formell aufgelöst. Als 1933 Sebottendorf nach Deutschland zurückkehrte, fand erneut eine Gesellschaftsversammlung statt; Leiter der Vereinigung wurde am 18. August 1933 Franz Dannehl, der bereits die DAP mitbegründet hatte. Am 20. Juli 1937 erlosch die Thule-Gesellschaft durch den Erlaß zur Auflösung von Logen und ähnlichen Organisationen. Sebottendorf verließ Deutschland und soll sich zeitweilig in der Türkei, in Südamerika und den USA aufgehalten haben. Weitergehende Recherchen zur Thule-Gesellschaft in: René Freund, Braune Magie, Wien 1995; Hermann Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft, München 1994; Nicholas Goodrick-Clarke, The Occult Roots of Nazism, London/New York 1992; Detlev Rose, Die Thule-Gesellschaft, Tübingen 1994; Rudolf von Sebottendorf, Bevor Hitler kam, München 1933; sowie in: Heller/Maegerle, Thule.

71  vgl. Heller/Maegerle, Thule, S. 31.

72  Zit. in: Heller/Maegerle, Thule, S. 32.

73  vgl.: Rudolf Mund, Jörg Lanz von Liebenfels - Der Rasputin Himmlers

74  vgl.: Gerald Suster, Hitler and the Age of Horus, Glasgow 1981 (im folgenden: Suster, Horus).

75  Hanns Hörbiger, Glazial-Kosmogonie, Kaiserslautern 1913.

76  Die Marcioniter haben ihren Ursprung im zweiten Jahrhundert n. Chr. und berufen sich auf die Lehren des damaligen Bischofs Mrcio, der das Alte Testament nicht in den biblischen Kanon aufnahm. Die modernen Marcioniter sind meist Antisemiten.

77  Der Name der Zeitschrift ist von der germanischen Frühlingsgöttin Ostara abgeleitet.

78  vgl.: Mosse, Rassismus, S. 122

79  vgl.: Rupp, Hitler, S. 4.

80  Zit. nach einer Rede Hitlers vor dem Reichsparteitag am 30. Januar 1939. Vgl.: Walther Hofer, Der Nationalsozialismus, Dokumente 1933-1945, überarb. Neuausg., Frankfurt/M. 1982, S. 277, (im folgenden: Hofer, Dokumente).

81  vgl.: Jan van Helsing, Geheimgesellschaften, Playa del Inglés 1995, S. 118 f. (im folgenden: Helsing, Geheimgesellschaften).

82  ibd., S. 119.

83  ibd., S. 110.

84  ibd.

85  ibd.

86  vgl.: Michael Baigent/Richard Leigh, Geheimes Deutschland, München 1994, S. 329 f. (im folgenden: Baigent/Leigh, Deutschland).

87  Lyttons bekanntestes Werk ist Die letzten Tage von Pompeji. Aus seiner Feder stammt aber auch der Rosenkreuzer-Roman Zanoni, der im viktorianischen England viele Leser fand, etwa Aleister Crowley.

88  vgl.:Heller/Maegerle, Thule, S. 146.

89  vgl.: Colin Wilson, Das Okkulte,

Wiesbaden 1988, S. 475, (im folgenden: Wilson, Okkult).

90  ibd.

91  vgl.:Edward Conze, Eine kurze Geschichte des Buddhismus, Frankfurt/M. 1986, S. 32, (im folgenden: Conze, Buddhismus)

92  vgl.: G. Trobridge, Swedenborg Life and Teaching, London 1945, S. 186.

93  vgl. Mosse, Rassismus, S. 119.

94  ibd.

95  Rudolf Steiner gründete 1913 in Berlin die "Anthroposophische Gesellschaft" und verband darin Spiritualismus mit Freiheit und Universalismus. Auf ihn gehen die heute in aller Welt tätigen Waldorf-Schulen zurück. Steiners Mitgliedschaft im Ordo Templi Orientis (s.o.) war nur von kurzer Dauer. Eine Erklärung für seinen Austritt bieten Baigent und Leigh: Sie bezeichnen Steiners Anthroposophie als "Weiße Magie", die dem guten Zweck diene, wo hingegen "den ariosophischen Sekten die Rolle der ,Schwarzen Magie' zufällt". Vgl.: Baigent/Leigh, Deutschland, S. 334. Neuere Forschungen haben indes ergeben, daß die anthroposophisch geführte Firma Weleda während des NS-Regimes offenbar stärker als bislang zugegeben in medizinische Menschenversuche verwickelt war.

96  vgl. ibd., S. 331.

97  Michael Kater, Das "Ahnenerbe" der SS, Stuttgart 1974, S. 224

98  vgl.: Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, Berlin 1982, S. 640

99  Fest, Gesicht, S. 171

100  Zit. nach: Michael Baigent/Richard Leigh, Geheimes Deutschland, München 1994, S. 266 f. (im folgenden: Baigent/Leigh, Deutschland).

101  vgl.: Heller/Maegerle, Thule, S. 64.

102  vgl.: Atack, Occult.

103  vgl.: HCO B 050580: "No doubt you are familiar with the Revelation section of the Bible, where various events are predicted. Also mentioned is a brief period of time in which an arch-enemy of Christ, referred to as the anti-Christ, will reign and his opinions will have sway. [...] This anti-Christ represents the forces of Lucifer, [...] being a mythical representation of the forces of enlightenment, the Galactic Confederacy. My mission could be said to fulfill the biblical promise represented by this brief anti-Christ period. [...] The Second Coming is designed, among other things, to trigger a rapid series of destructive events."

104  ibd.: "But my return depends on people like you doing these materials [gemeint ist der Kurs OT VIII, d. Verf.] thoroughly and completely so that there will be a genetically uncontaminated body for me to pick up and resume where I left off. A body free of religious mania, right/wrong dichotomy and synthetic karma."

105  ibd.: "I will not return as a religious leader, but as a political one."

106  vgl.: Joachim Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, 11. Aufl., München 1994, S. 98

107  vgl.: Heller/Maegerle, Thule, S. 9

108  vgl.: Atack, Occult.